Zwar hatten im Laufe der Jahre nicht nur diese Firmen zahlreiche neue Modelle
aufgelegt, aber den fantastischen Erfolg der o.g. 3 Modelle konnte keine andere
Elektrogitarre wiederholen. Man kann sie nicht nur auch heute noch kaufen,
vielmehr teilen sich insbesondere die "Stratocaster" und die "Les Paul" inklusive
der zahlreichen Nachbauten oder Abwandlungen anderer Firmen stückzahlmäßig
fast den kompletten Markt.
Mechanischer Aufbau einer Elektrogitarre
Grob gesagt besteht eine Solid-Body-Gitarre aus einem Brett, das eine nahezu
beliebige Kontur besitzen kann. Darauf aufgeschraubt ist der Steg, über den die
Saiten laufen. An dieses Brett, den Korpus, angeschraubt (z.B. Stratocaster)
oder in dieses Brett eingeleimt (z.B. Les Paul) ist der Hals, an dem die Mechaniken zum Stimmen der Saiten angebracht sind. Bei manchen Gitarren
geht der Hals auch durch bis zum Steg, wovon man sich einen länger anhaltenden
Ton (Sustain) verspricht. Im Vergleich zu frühen, schlampig eingeschraubten Hälsen
mag dies zutreffen, aber im Vergleich zu einem handwerklich korrekt eingeleimten
Hals ist zumindest von der Theorie her bei sonst gleichen Rahmenbedingungen kein
Unterschied zu erwarten, da eine gute Klebestelle eine höhere Festigkeit und
geringere Dämpfung besitzt als Holz.
Auch die heutige Qualität der
Verschraubung gibt keinen Anlass mehr zur Kritik bezüglich
Sustainverschlechterung. Heutzutage sind Gitarren mit durchgehendem Hals
wieder eher selten geworden. Zwischen Steg und Hals sind meistens zwischen ein und drei Tonabnehmer
angebracht, entweder von hinten durchgesteckt (dann Abdeckplatte auf der Rückseite),
auf einer Trägerplatte, die gleichzeitig auch als Schlagbrett dient, oder aber
von vorne direkt auf dem Holz montiert.
Tonabnehmer (Pickup)
Hier wird mal wieder deutlich, wie eine gute Werbeabteilung aus ein paar simplen
Magneten und ein wenig Kupferdraht ein Mysterium macht: Sämtliche
Gitarrentonabnehmer sind recht ähnlich aufgebaut. Im Prinzip muss man nur einen
Stabmagneten mit Kupferdraht bewickeln und hat schon einen Tonabnehmer für eine
einzige Saite. Statt 6 einzelne Tonabnehmer zu verwenden, nimmt man aus Gründen
der Materialersparnis und auch aus Platzgründen (Wickelraum) oft sechs
Stabmagnete und wickelt um diese gemeinsam eine einzige Spule, wobei eine Papp-
oder Kunststoffhalterung verhindert, dass sich die Magnete und die Spule
gegeneinander bewegen können.
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Sound
Jeder Gitarrenhersteller wirbt mit einem ganz besonderen Sound, den seine
Gitarren erzeugen. Oft wird dies sowohl mit besonders edlen Hölzern als auch
mit besonderen Eigenschaften der verwendeten Tonabnehmer begründet. Aber, eine
billige Elektrogitarre muss nicht unbedingt schlechter klingen als eine teure,
wobei die Fertigungsqualität nicht berücksichtigt wird. Die
Fertigungsqualität hat hauptsächlich Einfluss auf die Bespielbarkeit und die
Optik aber kaum auf den Sound. Ich hatte schon eine "Stratocaster" von 1974 in der
Hand bei der, durch eine wackelige 3 Punkt-Verschraubung des Halses, dieser schon bei geringer
Belastung sich bewegen lies. Die Bünde waren heruntergespielt und das komplette
Aussen- wie Innenleben war oxidiert und abgearbeitet. Trotzdem klang, eben genau
diese Gitarre, schon nach dem ersten Anschlag fantastisch. Warum das manchmal so ist?
Sagen Sie es mir! Mit Formeln, Physik, bzw. Technik fällt es ganz schwer dies
zu erklären.
Es gibt zahllose Gerüchte und Legenden, welche
Merkmale einer Gitarre klangbestimmend sind. Lesen Sie weiter.
Grundsätzliches über Holz, Klang und Gitarren
Beim Kauf bzw. Selbstbau einer Gitarre ist die Wahl des richtigen Holzes von
großer Bedeutung.
Je nach Stilrichtung und Klangvorstellung ist es sehr wichtig zu wissen, wie
Holz eigentlich klingt. Das richtige Holz, die Verarbeitung und die Tonabnehmer
entscheiden letztendlich gemeinsam über den Klang eines Instruments. Um so zu
klingen, wie sein Vorbild, sollte man sich ausgiebig auch mit dem Instrument des
Vorbilds beschäftigen.
Eine E-Gitarre klingt um so brillanter und sustainreicher, je besser die
Saitenschwingung auf das Holz übertragen wird und je spannungsreicher die
Verbindung zwischen Saiten und Korpus ist.
Vereinfacht dargestellt: Bei einem Steg aus sehr weichem Material würden die
Schwingungen der Saiten stark abgedämpft, es besteht keine Spannung mehr gegenüber
dem Korpus. So ist es schon eine Materialfrage des Steges und vor allem der
"Reiter", ob diese Teile aus weichem oder hartem Metall bestehen, aus
Messing oder Stahl zum Beispiel. Messing ist weicher. Der Stahlsteg bzw. die
Reiter verbinden die Saite "direkter" mit dem Gitarrenkörper.
In der Praxis gibt es aber keine unendlich steifen Materialien, so dass vor
allem der relativ dünne Hals ein wenig mitschwingt und durch die Dämpfung
des Holzes der Saite mehr oder wenig stark Energie entzieht und damit abdämpft.
Die Ausführung und das Material des Halses haben
daher ebenfalls einen großen Einfluß auf das Ausschwingverhalten und damit den
Klang der Gitarre.
Der Korpus selbst ist im Vergleich zum Hals sehr dick und hat daher physikalisch relativ wenig
Einfluss auf den Klang.
Ausfräsungen für größere oder zusätzliche Tonabnehmer haben in der Praxis kaum
Einfluss auf das Klangverhalten.
Um negative Auswirkungen auszuschließen, sollte man für den Korpus kein sehr weiches Material mit hoher
innerer Dämpfung verwenden. Spanplatten (z.B.) sind daher ein denkbar ungeeignetes Material.
Verschiedene, im Gitarrenbau übliche Harthölzer sind nur sehr schwer zu
unterscheiden. Bei Deckschichten aus Edelhölzern, wie z.B. Vogelahorn, spielt
eher die Optik und der Wert der Gitarre, die größere Rolle. Übrigens, manche Kultgitarren
bestehen tatsächlich aus Spanplatten. Wenn es nach der Meinung der
Experten ginge, müssten solche Gitarren sehr dumpf klingen. Das tun
sie aber nicht, ganz im Gegenteil.
Physikalisch ist es auch eher unwahrscheinlich, dass der Lack sich bei Solid-Body-Gitarren
klanglich auswirkt. Sie Bild unten: Diese Original Gitarre von Rory
Gallagher hat kaum noch Lack auf dem Korpus und Hals, kling aber fantastisch.
Bei akustischen Saiteninstrumenten ist das
Holz und der Lack eher zu berücksichtigen. Kaum mehr als einen oder zwei Millimeter dick und wird
das Holz zu einem erheblichen
Teil vom Lack durchtränkt, wodurch sich die Biegesteifigkeit und damit das
Schwingungsverhalten, vor allem aber das Dämpfungsverhalten sehr stark ändert.
Bei mehreren Zentimetern dickem Holz (Korpus E-Gitarre) spielt die dünne Lackschicht aber keine
wesentliche Rolle, zumal die heute üblichen Lacke kaum ins Holz einziehen und somit der
oben beschriebene Effekt nicht auftritt.
Der Hals spielt hingegen durchaus eine Rolle: Dieser ist lang und dünn und
schwingt deshalb auch in größerem Umfang mit.
Hier ist nicht nur das Material für das
Schwingungsverhakten wichtig sondern auch in gewissem Umfang auch Form. Ein U-förmiger Hals besteht bei gleicher Dicke aus mehr Material als ein D-
oder gar V-förmiger Hals, sodass dieser ein höheres Trägheitsmoment besitzt, was indirekt eine geringere Dämpfung
bedeutet. Aufgrund der geringen Gesamtdicke spielt es durchaus eine Rolle, aus
welchem Material das Griffbrett besteht. Dabei ist das heute selten gewordene
Ebenholz, das übrigens eine so hohe Dichte hat, dass es in Wasser untergeht,
deutlich biegesteifer als das weitverbreitete Palisander ("Rosewood").
Tonabnehmer
Grundsätzlich werden zwei Arten von Tonabnehmer unterschieden:
- Single-Coil-Pickups
Einzelspulen-Tonabnehmer erzeugen einen brillanten und harten Klang (Fender-Stratocaster).
- Humbucker-Pickups
Doppelspulen-Tonabnehmer erzeugen einen milden und fetten Klang (Gibson /
Les Paul).
Bei den Tonabnehmern hat sowohl der mechanische Aufbau als auch die Anordnung
auf der Gitarre (Abstand vom Steg) und die äußere Beschaltung sehr großen
Einfluss auf den Frequenzgang und daher den Klang.
Der relativ weiche Klang einer Gibson Les Paul kommt durch die relativ
niedrige Resonanzfrequenz in Verbindung mit einer nur geringen Resonanzüberhöhung
zustande, während die höhere Resonanzfrequenz einer Fender Stratocaster einen
insgesamt hohleren, schneidenden ergibt. Der typische Fender-Sound entsteht
beispielsweise bei 4 kHz und einer relativ hohen Resonanzüberhöhung.
Grundsätzlich gilt, dass der Klang umso kühler wird, je höher die
Resonanzfrequenz ist. Oberhalb von etwa 5 kHz wird der Ton mehr und mehr glasig,
hart und ausdruckslos.
Saiten
Als Saiten kommen für Elektrogitarren präzise gefertigte Drähte aus
überwiegend Nickel und Stahl zum Einsatz. Für
die tiefer klingenden Saiten sind diese zusätzlich mit einem dünneren Draht
bewickelt. Eine Besonderheit sind mit halbrundem Draht bewickelte Saiten
("geschliffene" Saiten), die beim Umgreifen nicht quietschen und daher
vor allem für nicht so geübte Gitarristen zu empfehlen sind. Es gibt sehr
viele Marken und noch viel mehr Ausführungsformen von Saiten. Eine
dickere Saite schwingt langsamer aus als eine dünne, weil bei gleicher
Amplitude durch die höhere Masse mehr Energie in der schwingenden Saite steckt,
die per Luftreibung etc. langsam abgebaut wird. Gleichzeitig nimmt die Amplitude
der Oberschwingungen aber schneller ab als bei einer dünnen Saite. Durch die weniger starken Oberwellen klingen dicke
Saiten voller und weicher, was für manche Sounds durchaus erwünscht ist, für
andere sich aber negativ auswirkt. Im Gegenzug lassen sich dünne Saiten besser
"ziehen", d.h. man kann durch seitliches Verschieben auf dem Bund
leichter und extremer die Tonhöhe ändern.
Die Saiten haben einen relativ großen Einfluss auf den Grundklang
der E-Gitarre, weshalb man ihnen genügend Aufmerksamkeit widmen sollte.
Allerdings ist es auch so, dass die Saiten umso unwichtiger werden, je
verzerrter die Gitarre gespielt wird bzw. je mehr der Klang anderweitig
verfremdet wird.
Wiedergabekette
Bislang wurden nur diejenigen Komponenten betrachtet, aus denen eine E-Gitarre
besteht. Im Gegensatz zu einer akustischen Gitarre gehören bei einer E-Gitarre
Verstärker und Lautsprecher jedoch mit zum Instrument, weil beide stark damit
zu tun haben, welcher Klang letztendlich hinten herauskommt.
Resümee
Von den beeinflussbaren Elementen haben (abgesehen von den Saiten) die
Tonabnehmer, die gitarreninterne Verschaltung und die Kombination aus Verstärker
und Lautsprecher den größten Einfluss auf den Klang. Deshalb sollten Sie
zuerst einmal genau hier ansetzen, wenn Sie mit dem Klang Ihrer Gitarre nicht
zufrieden sind. Beim Kauf einer Gitarre sollten Sie diese auch mit einem
Verstärker testen, den Sie verwenden. Am besten mit dem eigenen. Den Kauf eines
Verstärkers sollten Sie mit Ihrer Gitarre beurteilen.
Aber, eins sollten Sie jedoch bei aller Technik niemals vergessen:
Den mit weitem
Abstand größten Einfluss darauf, ob eine Elektrogitarre gut oder schlecht
klingt, hat derjenige, der Sie spielt. Denn wenn ein
begnadeter Gitarrist auf einer 100 € Gitarre spielt, klingt es immer
ganz erheblich besser, als wenn ein Anfänger z.B. auf einer der Custom-Shop
Stratocaster mehr oder weniger planlos herumspielt.
So ist es leider!
Ein guter Handwerker braucht gutes Werkzeug, aber gutes Werkzeug macht
noch lange keinen
guten Handwerker !
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